Die Vergangenheit gleicht der Ferne; je weiter wir zurückblicken, desto mehr verliert unser Augenlicht an Kraft, und zuletzt würde es gänzlich in ihren Tiefen erlöschen, hätten nicht Geschichte und Chronologie gleichsam Leuchtfeuer und Fackeln an den finstersten Stellen aufgerichtet; doch ungeachtet dieser Lichter der schriftlichen Überlieferung, wie viele Ungewißheiten begegnen uns in den Tatsachen, sobald wir nur einige Jahrhunderte zurückgehen! wie viele Irrtümer über die wahren Ursachen der Begebenheiten! und welch tiefe Finsterniß umhüllt nicht jene ältesten Zeiten jenseits aller schriftlichen Überlieferung!
Georges-Louis Leclerc de Buffon (Mehr erfahren)
Das Foto kontrastiert die Lebenszeit eines Menschen – festgehalten in Passfotos über wenige Jahrzehnte – mit der Zeit, die der Erde zur Verfügung steht, repräsentiert durch Gesteine unterschiedlichen Alters, deren Entwicklung sich in Jahrmillionen vollzieht. In der Zeit, in der ein Mensch altert und die Spuren dieses Prozesses immer deutlicher sichtbar werden, bleiben Steine unverändert. Ihre Entwicklung vollzieht sich in geologischen Zeiträumen, für die der Begriff „Tiefenzeit“ geprägt wurde. (Mehr erfahren)
Der auf dem Foto angedeutete Kontrast unterschiedlicher Zeitskalen – der menschlichen Zeitskala und der Zeitskala, auf der sich das „Leben“ von Gesteinen abspielt – soll einen Auftakt zum Thema dieses Textes geben. In diesem mehrteiligen Textbeitrag möchte ich mich schrittweise einem Verständnis der unterschiedlichen Zeitskalen nähern, auf denen sich – am einen Ende – das menschliche Leben und – am anderen Ende – die Geschichte der Erde als Ganzes abspielt.
In diesem Blogpost gebe ich zunächst eine kurze philosophische Einordnung des Themas. Im zweiten Blogpost befassen wir uns mit Landschaftsveränderungen in vorhistorischer und historischer Zeit. Im dritten Blogpost lernen wie Seen im Schwarzwald und den Vogesen als erdgeschichtliche Archive kennen.
Über das Thema gab es am 19.06.2026 einen Vortrag im Atelier Klausenpfad in Heidelberg (deckt Inhalt der ersten drei Blogposts ab).
Hans Blumenbergs „Weltmißbefinden“
Unser Leben spielt sich unentrinnbar in der Zeit ab. Wir denken, sprechen, fühlen, bewegen – ja, wir existieren in diesem „Medium“ wie ein Fisch im Wasser. Wir können uns nicht aus der Zeit herausnehmen.
Und dennoch „haben“ wir – als sterbliche Wesen – nur begrenzt Zeit.
Besser hat der Philosoph Hans Blumenberg (1920 – 1996) das ausgedrückt (Mehr erfahren):
Zeit ist das am meisten Unsrige und doch am wenigsten Verfügbare.
Hans Blumenberg spricht von einem „Weltmißbefinden“, wenn er folgende menschliche Ur-Erfahrung zu fassen versucht:
Innerhalb eines Menschenlebens ist nur ein winziger Teil dessen erlebbar, was die Welt insgesamt bereithält. Wenn wir geboren werden, ist die Welt schon da und vieles hat sich ohne unsere Beteiligung bereits ereignet. Wenn wir sterben, wird die Welt weiter existieren und nach uns Lebende werden Erfahrungen machen, die uns verwehrt bleiben. Nach Blumenbergs Urteil klafft seit dem Sündenfall – der Erkenntnis unserer Sterblichkeit – eine Kluft zwischen der „Lebenszeit“ – der begrenzten Zeitdauer eines menschlichen Lebens – und der „Weltzeit“ – der Zeit, die der Welt als Ganzes zur Verfügung steht. (Mehr erfahren)
Erinnerungshorizonte
Mit unserer persönlichen Erinnerung loten wir den Bereich innerhalb unseres Lebenszeit-Horizonts aus.
Die Erinnerung trägt uns zurück bis zu einigen mehr oder weniger klaren Bildern aus unserer Kindheit, die wie „Leuchtfeuer“ am Rande einer Dunkelheit aufgestellt sind, in deren Tiefen sich irgendwo unsere Geburt ereignet haben muss. Doch je mehr wir versuchen, uns auf ein lang zurückliegendes Ereignis zu konzentrieren, desto mehr verschwimmt das Bild, das sich abzuzeichnen begann.
Ich denke zum Beispiel an einen Tag in meiner Kindheit, wir waren in den Bergen im Urlaub. Wir unternahmen einen Spaziergang in ein Nachbardorf unseres Ferienortes. Ich war damals vielleicht 4 Jahre alt. Ich sehe noch die Umrisse von Bauernhöfen mit ihren großen Dächern. Und ich sehe einen Holzstock, mit dem ich beim Gehen eine Linie in den Kiesweg kritzelte. Nur dieses Detail ist klar und deutlich erhalten geblieben. Genauer wird das Bild nicht. Meine persönliche Erinnerung stößt hier an eine Grenze.
Wenn Eltern mit ihren Kindern über weit zurückliegende Erlebnisse sprechen, erschafft das gemeinsame Sich Erinnern eine Geschichte dessen, was sich mutmaßlich einmal abgespielt hat. Diese Geschichte wird immer wieder von neuem erzählt und verändert. Persönliche und kollektive Erinnerung ergänzen sich, die Grenzen verfließen mitunter. Dokumente wie alte Briefe und Fotografien können Referenzpunkte sein, um diese Erzählung zu fixieren.
Eine interessante Perspektive ergibt sich aus der Zeitspanne, in der ein einzelner Mensch im Laufe seines Lebens durch direkte Generationenfolge mit anderen Menschen verbunden sein kann. Der isländische Schriftsteller Andri Snær Magnason hat diesen Zeithorizont in seinem Buch Wasser und Zeit eindrucksvoll dargestellt. Die Tochter des Schriftstellers kann noch eine persönliche Verbindung zu ihrer Urgroßmutter und (vielleicht später in ihrem Leben) zu ihrer zukünftigen Urenkelin herstellen – ein Zeitfenster von etwa 260 Jahren.
Das heißt, für einen einzelnen Menschen ist auf diese Weise eine Zeitspanne von einem Viertel Jahrtausend greifbar. (Mehr erfahren)
Das historische Gedächtnis der Menschheit umfasst einen weitaus längeren Zeitraum. Ein möglicher Bezugspunkt ist die Erfindung der Schrift. Die Keilschrift, die sich aus bildhaften Zeichen entwickelte, ist erstmals für das 4. Jahrtausend v. Chr belegt. Die Alphabetschrift entstand um etwa 1700 v. Chr. auf der Sinai-Halbinsel.
Menschliches Wissen wurde aber auch immer wieder von Generation zu Generation durch mündliche Überlieferung weiter getragen. So nutzten beispielsweise die Seefahrer im Pazifik bereits vor Jahrtausenden Navigationstechniken, die es ihnen ermöglichten, sicher zwischen den weit voneinander entfernten Inseln Mikronesiens und Polynesiens zu reisen. Diese Techniken basierten auf der Kenntnis der Auf- und Untergangszeiten von besonders hellen Sternen am Horizont und bezogen auch die Beobachtung von Vögeln, Meereswellen und Windmustern mit ein. Diese Fertigkeiten wurden mündlich von Generation zu Generation weitergegeben.
Wir wissen nicht, seit wann. (Mehr erfahren)
Archäologische Funde legen Zeugnis ab von viel weiter zurück liegenden Epochen der Menschheit. Aber was die damaligen Menschen gedacht oder gar gefühlt haben mochten, lässt sich aus diesen Dokumenten, wenn überhaupt, nur sehr schwer erschließen.
Wie die persönliche Erinnerung, so verliert sich auch die Erinnerung der Menschheit als Ganzes tief in einer Dunkelheit, und unser Blick würde sich gänzlich verlieren, hätten – wie Buffon es so schön formulierte – „nicht Geschichte und Chronologie gleichsam Leuchtfeuer und Fackeln an den finstersten Stellen aufgerichtet“.
Die Zeit der Erde – der Abgrund der Zeit
Das heißt, auch für die Menschheit gibt es eine Zeit „davor“ und eine Zeit „danach“.
Es gab eine Zeit in der Erdvergangenheit, in der der Mensch als Art noch nicht existierte, und möglicherweise wird es eine Zeit geben, in der die Menschheit von der Erdoberfläche verschwunden sein wird.
Geologische Prozesse spielen sich auf jenen Zeitskalen ab, die hier in den Blick treten. Gebirge entstehen und werden wieder abgetragen, Kontinente verändern ihre Position. Aber diese Veränderungen vollziehen sich auf Zeitskalen jenseits unseres menschlichen Zeithorizontes – liegen also außerhalb des Bereiches, der unserem persönlichen, familiären oder auch unserem historischen Gedächtnis zugänglich ist.
Obwohl wir, als abstrakt denkende Wesen, heute ganz selbstverständlich mit dem Parameter Zeit in wissenschaftlichen Gleichungen umgehen, fällt es uns schwer, so langsame Prozesse wie die Entstehung und die Abtragung von Gebirgen in unser alltägliches Verständnis zu übertragen, eine Beziehung zu diesem Wissen aufzubauen.
Ich kann beobachten, wie jedes Mal bei einem Regenschauer die Erde ein klein wenig von einem Hang abgetragen wird oder wie bei einem Extremwetterereignis ein Erdrutsch eine Straße verschüttet. Ich kann versuchen, mir vorzustellen, was geschieht, wenn sich solche Ereignisse über Jahrtausende immer wieder vollziehen. Dennoch entziehen sich langfristige Prozesse wie die Veränderung eines Landschaftsreliefs einem tieferen Verständnis.
Sie lassen sich weder durch Wahrnehmung, Erinnerung noch durch Überlieferung erschließen. Sie gehören der „tiefen Finsterniß“ an, von der Buffon sprach.
Er verwendete – wie andere Naturphilosophen der Aufklärung – Metaphern der Historiker, um die Evolution der Erde, die Erd-Geschichte, zu beschreiben. In seiner Theorie teilte er diese Geschichte in sieben Epochen ein, und in der letzten Epoche erscheint der Mensch.
Buffon formulierte diese Ideen zu einer Zeit, in der weite Kreise der Gesellschaft das Alter der Erde auf ungefähr 6000 Jahre schätzten – basierend auf biblischen Chronologien.
Viele Naturphilosophen jener Zeit, die sich mit Gesteinsschichten oder Fossilien befassten, gingen aber bereits davon aus, dass es geologische Prozesse geben musste, die weitaus länger als ein paar wenige Jahrtausende dauerten – so auch Buffon.
Er entwickelte eine Theorie, wonach die Erde anfangs eine heiße, geschmolzene Kugel war. Mit den Gleichungen der Wärmelehre berechnete er, wie lange es gedauert haben musste, bis sich die Erde auf die heutige Temperatur abgekühlt hat. Auf seinem Gut in Montbard in Burgund experimentierte er mit erhitzten Metallkugeln, um Abkühlraten für Festkörper zu ermitteln. (Mehr erfahren) Basierend auf diesen Überlegungen und Experimenten schätzte er das Erdalter auf etwa 75.000 Jahre.
Interessant ist übrigens, dass Buffon als einer der ersten annahm, dass der Mensch eine Veränderung des Erdklimas bewirken könne. Da in seinem Modell von der Erde diese sich unaufhaltsam abkühlte, war es aus seiner Sicht aber – anders als es heute Konsens ist – begrüßenswert, dass die Menschen alles unternahmen, um dieser Abkühlung entgegenzuwirken – beispielsweise durch das Verbrennen von Kohle. (Mehr erfahren)
Die Entdeckung der Radioaktivität Ende des 19. Jahrhunderts ermöglichte die Entwicklung moderner Datierungsmethoden. Mit ihrer Hilfe wurde in den 1950er Jahren das Alter der Erde auf 4.54 Milliarden Jahre geschätzt. (Mehr erfahren)
Das ist 60.000 mal länger als Buffon abgeschätzt hatte.
Mit diesem Wissen sehen wir uns den Naturphilosophen früherer Jahrhunderte weit überlegen. Aber die bloße Zahl mit 10 Stellen hilft nicht, diesen ungeheuren Zeitraum zu be-greifen. Hier sehen wir uns im wahrsten Sinne einem Abgrund zeitlicher Tiefe gegenüber, der bescheiden machen sollte.
Um die Herausforderungen zu betonen, die solche langen geologischen Zeiträume an uns stellen, hat sich der Begriff Tiefenzeit etabliert. Das Bestimmungswort „Tiefe“ hat eine poetische Dimension und verweist auf eine Sphäre, die dem menschlichen Begreifen entzogen ist.
Der Paläontologe Stephen Jay Gould stellt fest, dass wir Tiefenzeit nur als Metapher begreifen können (Mehr erfahren):
An abstract, intellectual understanding of deep time comes easily enough – I know how many zeroes to place after the 10 when I mean billions. Getting it into the gut is quite another matter.
Deep time is so alien that we can really only comprehend it as metaphor.
Auf Deutsch:
Ein abstraktes, intellektuelles Verständnis der Tiefenzeit fällt leicht - ich weiß, wie viele Nullen ich nach der 10 schreiben muss, wenn ich Milliarden meine. Ein Gefühl dafür zu bekommen ist etwas ganz Anderes.
Tiefenzeit ist so fremdartig, dass wir sie eigentlich nur als Metapher verstehen können.
Annäherung an die Tiefenzeit – die retrospektive Erzählweise
In diesem Text möchte ich mich einem Verständnis der Tiefenzeit schrittweise annähern.
Es erscheint naheliegend, in einem populärwissenschaftlichen Text, der sich mit Kosmologie oder Erdgeschichte befasst, an einem mutmaßlichen Anfangspunkt, typischerweise dem Urknall, zu beginnen und sich von dort – aus der Vergangenheit heraus – bis zur Gegenwart vorzuarbeiten. Diese Erzählweise suggeriert einen allwissenden Erzähler, der die unermesslichen Zeiträume überblickt, um die es in dieser „Welterzählung“ geht.
Ich wähle stattdessen eine bescheidenere Perspektive, indem ich eine retrospektive Erzählweise nutze: Sie beginnt mit der uns vertrauten, menschlichen Zeitperspektive, führt uns schrittweise immer tiefer in die Vergangenheit, zu immer größeren Zeitskalen, in immer unbekannteres Terrain. (Mehr erfahren)
Aus dieser Perspektive werden bald erste – vergleichsweise schnell verlaufende – erdgeschichtliche Veränderungen wahrnehmbar: Vegetationswechsel, Flussverlagerungen oder die Entwicklung von Seen.
Diese Prozesse vollziehen sich aus menschlicher Sicht langsam – oft über Generationen hinweg nicht wahrnehmbar –, zeitigen aber bereits auf historischer Zeitskala sichtbare Veränderungen. Erst dann stauchen wir die Zeitskala schrittweise, so dass langfristigere Prozesse wie Gebirgsbildung oder Kontinentaldrift sichtbar werden.
Das Naturdenkmal *Balzer Herrgott* im Südschwarzwald. Vor langer Zeit wurde an dieser Stelle im Südschwarzwald eine steinerne Christusstatue an einen Baum gelehnt, dort vergessen, und von dem größer werdenden Stamm im Laufe der Jahre langsam eingeschlossen. Der Baum wächst unaufhaltsam weiter, umschließt die Figur allmählich – eine Veränderung der Vegetation, die zwar langsam vor sich geht, aber innerhalb eines menschlichen Lebens wahrnehmbar ist. Menschliche Kunst hingegen besteht fort – über Jahrhunderte oder Jahrtausende hinweg – überdauert historische Zeiträume. Aber wenn wir die Zeitskala vergrößern und uns eine Tiefe der Zukunft von Millionen Jahren vorzustellen versuchen, so wird auch dieses steinerne Zeugnis menschlicher Präsenz verschwunden sein.
Ein historisch-literarischer Bezug – die Mummelsee-Episode bei Grimmelshausen
Um zunächst über Landschaftsveränderungen zu sprechen, die sich auf geologischen Zeitskalen relativ schnell ereignen, möchte ich die Geschichte der kleinen Gletscherkarseen im Schwarzwald und in den Vogesen erzählen. Diese Seen entstanden am Ende der letzten Eiszeit in Mulden, die von den zurückweichenden Gletschern geschaffen wurden. Diese Mulden werden als Kare bezeichnet, daher die Bezeichnung Gletscherkarsee.
Zu einem von ihnen, dem Mummelsee, findet sich eine Referenz in der Weltliteratur:
Im Schelmenroman Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1622 – 1676), veröffentlicht im Jahr 1668, begibt sich der Protagonist auf eine Wanderung zu diesem abgelegenen Ort, der im 17. Jahrhundert nur über einen beschwerlichen Fußmarsch erreichbar war.
Um unsere Zeitreise aus den Sphären der historischen Erinnerung heraus zu beginnen, begeben wir uns gedanklich ins 17. Jahrhundert – in eine Zeit, die uns heutigen Menschen in vieler Hinsicht fremd ist. Es folgt ein kurzer Ausschnitt aus dem Simplicissimus.
Beachten Sie die aus heutiger Perspektive sehr ungewöhnliche Sprache – die wir, bis auf wenige Wörter, gleichwohl noch gut verstehen können. (Mehr erfahren)
Also wanderten wir miteinander über Berg und Thal / und kamen zu dem Mummelsee / ehe wir 6 Stund gegangen hatten / denn mein Petter war noch so käfermäßig und so wohl zu Fuß als ein Junger; Wir verzehrten daselbst was wir von Speiß und Trank mit uns genommen / dann der weite Weg und die Höhe des Bergs / auf welchem der See ligt / hatte uns hungrig und hellig gemacht; Nachdem wir sich aber erquickt / beschauete ich den See / und fand gleich etliche gezimmerte Höltzer darinn ligen / die ich und mein Knan for rudera deß Würtenbergischen Flosses hielten; ich nahm oder masse die Länge und Breite deß Wassers vermittelst der Geometriae, weil gar beschwerlich war umb den See zu gehen / und denselben mit Schritten oder Schuhen zu messen / und brachte seine Beschaffenheit vermittelst deß verjüngten Maßstabs in mein Schreibtäfelein / und als ich damit fertig / zumaln der Himmel durchauß hell / und die Luft gantz windstill / und wol temperirt war / wolte ich auch probiren was Wahrheit an der Sagmehr wäre / daß ein Ungewitter entstehe / wann man einen Stein in den See werffe; sintemal ich albereit die Hörsag / daß der See keine Forellen leide / am Mineralischen Geschmack deß Wassers wahr zu seyn befunden.
Der Text enthält einige interessante Details. Eines davon: Die Reste des württembergischen Floßes, die darauf hindeuten, dass der See damals, im 17. Jahrhundert, wohl doch nicht ganz so abgeschieden von jeder menschlichen Tätigkeit gewesen war als es auf den ersten Blick anmuten mag.
Das folgende Foto zeigt den Mummelsee Anfang des 21. Jahrhunderts. Er liegt heute an der viel befahrenen Schwarzwaldhochstraße und an seinem Ufer steht ein Hotel.
Der Mummelsee im Jahre 2006.
Der Mummelsee ist vielleicht der bekannteste, aber nicht der einzige Gletscherkarsee. Im Schwarzwald und in den Vogesen gibt es 30 solcher Seen. (Mehr erfahren)
Im folgenden Blogpost beschäftigen wir uns mit den Gletscherkarseen in Schwarzwald und Vogesen und ihrer Geschichte.
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Vgl. (Buffon, Georges Louis Leclerc, comte de, 1780)×Buffon, Georges Louis Leclerc, comte de, 1780. Les Époques de la Nature. URL, S. 2.
Französischer Originaltext:
Le passé est comme la distance; notre vue y décroît, & s’y perdroit de même, si l’Histoire & la Chronologie n’eussent placé des fanaux, des flambeaux aux points les plus obscurs; mais malgré ces lumières de la tradition écrite, si l’on remonte à quelques siècles, que d’incertitudes dans les faits! que d’erreurs sur les causes des événemens! & quelle obscurité profonde n’environne pas les tems antérieurs à cette tradition!
Übersetzung dieses Abschnittes ins Deutsche: Isabelle Krys.
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Vgl. (Blumenberg, 2016)×Blumenberg, H., 2016. Lebenszeit und Weltzeit, 5. Auflage. ed, Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft. Suhrkamp, Frankfurt am Main., S. 74.
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Vgl. (Blumenberg, 2016)×Blumenberg, H., 2016. Lebenszeit und Weltzeit, 5. Auflage. ed, Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft. Suhrkamp, Frankfurt am Main., S. 77.
Aus der „Schere“ zwischen Lebenszeit und Weltzeit erwächst nach Blumenberg ein „Weltmißbefinden“, ein Bewusstsein von einem „‘Rückstand’ versäumter Lebensmöglichkeiten“. Dieses Unbehagen kann nach Blumenberg in den Zwang umschlagen, die Konvergenz von Lebenszeit und Weltzeit erzwingen zu wollen, was pathologische Entwicklungen wie die Verführbarkeit durch falsche Heilsversprechen oder den Faschismus begünstigt.
Ganze Völkerschaften sind durch die Worte eines einzigen Predigers in Bewegung versetzt worden, wenn er nur zu beschwören vermochte, die gerade Lebenden würden noch erleben, was überhaupt zu erleben sei. Doch sind alle Arten und Abarten von Apokalypsen nicht nur Mitteilungen, dass ihre Hörer und Leser Zeugen des Endes bestehender Dinge und Nutznießer einer daraus emporsteigenden neuen Welt sein würden, sondern darin zugleich Versprechungen, sie brauchten sich nicht von einer gleichgültigen Welt überleben zu lassen. Sie, die Günstlinge des Heilsbringers und seine apokalyptischen Mitvollstrecker, würden um sich herum noch alles versinken sehen. Überlebt zu werden, überlebt zu sein, gehört als metaphorische Beschreibung einer Ängstlichkeit derer, die sich auf jugendlichen Gleichgang mit dem Zeitgeist und Selbstbestätigung durch diesen festgelegt haben, zu den akuten Erfahrungen beschleunigter Geschichtsabläufe.
Ich denke, es ist nicht zu weit hergeholt, in diesen vorausschauenden Worten pathologische gesellschaftliche Entwicklungen wie beispielsweise das Erstarken der Make America Great Again (MAGA)-Bewegung in den USA und die Gleichgültigkeit der mit ihr verbündeten Tech-Milliardäre gegenüber der „Lebenszeit“ der aktuell und in naher Zukunft lebenden Menschen wieder zu erkennen.
Am prägnantesten hat Blumenberg dieses pathologische Verhältnis zur Zeit vielleicht in der folgenden Aussage formuliert, in der er sich auf die Apokalypse des Johannes (12, 12) bezieht:
Enge der Zeit ist die Wurzel des Bösen.
Vgl. (Blumenberg, 2016)×Blumenberg, H., 2016. Lebenszeit und Weltzeit, 5. Auflage. ed, Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft. Suhrkamp, Frankfurt am Main., S. 71.
Eine positive Gegenposition bietet Papst Franziskus in seiner Schrift Evangelii Gaudium aus dem Jahr 2013 an, wo er folgendes Prinzip formuliert:
Die Zeit ist mehr wert als der Raum.
Vgl. (Franziskus, 2013)×Franziskus, 2013. Evangelii Gaudium (Apostolisches Schreiben über die Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute). URL.
Darin:
Eine der Sünden, die wir gelegentlich in der sozialpolitischen Tätigkeit beobachten, besteht darin, dem Raum gegenüber der Zeit und den Abläufen Vorrang zu geben. Dem Raum Vorrang geben bedeutet sich vormachen, alles in der Gegenwart gelöst zu haben und alle Räume der Macht und der Selbstbestätigung in Besitz nehmen zu wollen. Damit werden die Prozesse eingefroren. Man beansprucht, sie aufzuhalten. Der Zeit Vorrang zu geben bedeutet sich damit zu befassen, Prozesse in Gang zu setzen anstatt Räume zu besitzen.
Warum insistiere ich auf diesen gesellschaftlichen und politischen Implikationen? Ich werde versuchen, im Verlaufe dieses Textes die These aufzustellen, dass ein unklares Verhältnis des Menschen zur Tiefenzeit die Gefahr birgt, Entwicklungen in Gang zu setzen, die unsere Gesellschaften in stürmisches Fahrwasser bringen können. Konkret denke ich hier an bestimmte Ausprägungen der Philosophie des Langzeitismus (Longtermism) und des Transhumanismus und an Visionen von Tech-Milliardären, die bereits die sehr ferne Zukunft des Planeten im Blick zu haben scheinen und über die Kolonisierung des Mars nachdenken, die es aber an Empathie gegenüber der heute oder in naher Zukunft lebenden Menschen mangeln lassen. Doch dazu mehr in einem späteren Blogpost dieser Reihe.
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Vgl. (Magnason, 2025)×Magnason, A.S., 2025. Wasser und Zeit: eine Geschichte unserer Zukunft, 2. Aufl. ed, Insel-Taschenbuch. Insel Verl, Berlin..
Magnason spricht in seinem Buch darüber, dass die Erderwärmung mittlerweile so schnell vor sich geht, dass bereits großräumige und lang nachwirkende Änderungen wie das Abschmelzen der Gletscher Islands sich innerhalb eines einzigen Menschenlebens bemerkbar machen – oder innerhalb dieser Erinnerungsreichweite von 260 Jahren. Darin, S. 174:
Wenn ich neunzig bin, werde ich meinem dreißigjährigen Enkelkind Fotos vom Skeiðarárjökull zeigen, einem Gletscher, den drei Generationen kennenlernen durften, bevor er aufhörte zu existieren.
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Um herauszufinden, in welchem Umfang diese Tradition bis in die moderne Zeit überdauert hat, besuchte der Weltumsegler und Abenteurer David Lewis (1917 – 2002) in den 1970er Jahren mehrere Inselgruppen im Pazifik und nahm Kontakt zu Einheimischen auf. Er befragte Personen, die der Navigation kundig waren, erlernte von ihnen die traditionellen Navigationstechniken und unternahm mit ihnen längere Kanufahrten auf offener See.
Vgl. (Lewis and Oulton, 1994)×Lewis, D., Oulton, D., 1994. We, the navigators: the ancient art of landfinding in the Pacific, 2nd ed. ed. University of Hawaii press, Honolulu..
Eine quantitative Zeitabschätzung, wie weit in die Vergangenheit diese mündliche Überlieferung zurückreicht, ist schwierig. Dennoch lassen archäologische Funde darauf schließen, dass entlegene Inseln im Pazifik bereits vor Jahrtausenden besiedelt wurden, was hochentwickelte Navigationstechniken schon zu jener Zeit voraussetzt. Vgl. (Martins, K., 2020)×Martins, K., 2020. Polynesian Navigation & Settlement of the Pacific: Migration in Oceania. World History Encyclopedia. URL.
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Für eine Übersicht, vgl. (Dalrymple, 1991)×Dalrymple, G.B., 1991. The Age of the Earth. Stanford University Press, Stanford, Calif., S. 29. Zu Buffon und der anthropogenen Erwärmung, vgl. (Heringman, 2016)×Heringman, N., 2016. Buffons Époques de la Nature (1778) und die Tiefenzeit im Anthropozän. Zeitschrift für Kulturwissenschaften. URL.
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Der Begriff wurde in den 1990er Jahren durch John McPhee bekannt gemacht. Das Zitat von Stephen Jay Gould stammt aus (Gould, 1987)×Gould, S.J., 1987. Time’s Arrow, Time’s Cycle: Myth and Metaphor in the Discovery of Geological Time, The Jerusalem-Harvard Lectures. Harvard University Press, S.l., S. 3.
Übersetzung ins Deutsche: Thomas Knorra.
Die Entdeckung der Tiefenzeit kann als eine weitere metaphysische Kränkung der Menschheit betrachtet werden. Bekanntlich haben die folgenden drei Entdeckungen das Selbstverständnis des Menschen so umfassend und nachhaltig in Frage gestellt, dass dafür auch der Begriff „Kränkungen der Menschheit“ verwendet wird, ein Begriff, der durch den Neurophysiologen und Begründer der Psychoanalyse Siegmund Freud (1856 – 1939) geprägt wurde. Die kosmologische Kränkung ergab sich aus der Arbeit von Nicolaus Kopernikus (1473 – 1543), die die bis dahin geltende Gewissheit erschüttert, dass die Erde im Mittelpunkt des Universums sei. Die biologische Kränkung folgte aus Charles Darwins (1809 – 1882) Evolutionstheorie, die mit der Erkenntnis einherging, dass der Mensch aus dem Tierreich hervorgegangen ist. Die psychologische Kränkung wurde schließlich durch Siegmund Freud selbst eingeleitet, nach dessen Theorie sich ein beträchtlicher Teil unseres Seelenlebens unserer bewussten Kenntnis entziehe und das „Ich“ nur begrenzt Einfluss „im eigenen Haus“ habe.
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Diese Erzählweise habe ich mir nicht selbst ausgedacht. Ich habe sie mir vom Evolutionsbiologen Richard Dawkins abgeschaut, der sie in seinem Buch The Ancestor’s Tale: Pilgrimage to the Dawn of Life anwendet, vgl. (Dawkins and Wong, 2016)×Dawkins, R., Wong, Y.-L., 2016. The Ancestor’s Tale: a Pilgrimage to the Dawn of Evolution, Revised and expanded/Second Mariner Books edition. ed. Houghton Mifflin Harcourt, Boston New York..
Darin erzählt Dawkins die Geschichte der Evolution des Lebens in umgekehrter Reihenfolge entlang des Stammbaum des Lebens, beginnend beim Menschen. Von dort aus bewegt er sich in einem ersten Schritt zu dem Punkt, an dem der gemeinsame Vorfahr von Menschen und Menschenaffen gelebt haben muss, vor ca 6 Millionen Jahren. Dann geht er bis zur nächsten Verzweigung im Stammbaum zurück und so fort, bis er schließlich bei der ersten Zelle ankommt. Auf diese Weise vermeidet er eine Erzählweise, die beim Menschen als dem vermeintlichen „Ziel“ der Evolution endet.
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Vgl. (Grimmelshausen, 2018)×Grimmelshausen, H.J.C. von, 2018. Simplicissimus Teutsch, 5. Auflage. ed, Deutscher Klassiker Verlag im Taschenbuch. Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Main., S. 490.
Ich übersetze einige der frühneuhochdeutschen Ausdrücke:
Petter steht für Pate, Taufpate; käfermäßig steht für flink, lebhaft; hellig steht für matt, erschöpft, schlapp; Knan steht für Vater, rudera für Reste.
Der Protagonist des Romans, Melchior Sternfels von Fuchshaim – oder auch: Simplicius Simplicissimus – wird als Kind im Dreißigjährigen Krieg von Soldaten entführt und schlägt dann eine militärische Laufbahn ein. Nach einem teils bunten Lebensweg, auf dem er viele Grausamkeiten erlebt und selbst auch begeht, wendet Simplicius sich schließlich von der „irdischen Welt“ ab.
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Hier spielt die Datierung mit Hilfe der Uran-Blei-Zerfallsreihen die entscheidende Rolle, die der Geochemiker Clair Cameron Patterson (1922 – 1995) an Proben aus dem am Eisenmeteoriten Canyon Diablo anwandte. Dieser Meteorit, der durch seinen Einschlag auf der Erde vor 50.000 Jahren den Barringer-Krater in Arizona geschaffen hat, stammt von einem ursprünglich 60 km großen Asteroiden.
Er bestimmte das Erdalter auf $4.55 \pm 0.07$ Milliarden Jahre. Vgl. (Dalrymple, 1991)×Dalrymple, G.B., 1991. The Age of the Earth. Stanford University Press, Stanford, Calif., S. 321.
Patterson, der sich im Rahmen seiner Forschungen zur Altersbestimmung viel mit dem Element Blei beschäftigte, nahm sich übrigens auch sehr engagiert des Problems der Bleikonzentration in der Atmosphäre an. Er untersuchte die zeitliche Entwicklung der Bleikonzentration in der Atmosphäre und stellte fest, dass diese vor 1923 nahezu kein Blei enthielt. Ab diesem Zeitpunkt jedoch stieg der Gehalt auf gesundheitsschädliche Werte an. Das korrelierte mit dem Jahr, in dem die Substanz Tetramethylblei dem Benzin beigemischt wurde. Seine Arbeiten und sein Engagement führten schließlich dazu, dass mit dem Clean Air Act im Jahre 1970 strengere Abgasvorschriften in Kraft traten und 1986 der Verkauf von verbleitem Benzin verboten wurde. Auf der Seite des Tyler Prize for Environmental Achievement, der 1995 Patterson zugesprochen wurde, werden seine Verdienste in folgender Form gewürdigt:
The chain of lead contamination that Dr. Patterson traced from the gas pump and other sources to the human blood stream has resulted in revolutionary changes in public policy. His findings gave rise to a political effort that resulted in a phased end to the sale of leaded gasoline in the Clean Air Act of 1970.
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Ich beziehe mich bei dieser Zählung auf (Schwarzbach and Wolstedt, 1967)×Schwarzbach, M., Wolstedt, P., 1967. Eiszeitalter und Gegenwart: Jahrbuch der Deutschen Quartärvereinigung. Hohenlohe’sche Buchhandlung Ferd. Rau, Öhringen, Württemberg. URL, S. 53. Die Autoren dieser Arbeit stützen sich in großen Teilen auf (Fezer, 1957)×Fezer, F., 1957. Eiszeitliche Erscheinungen im nördlichen Schwarzwald. Selbstverlag der Bundesanstalt für Landeskunde. URL, ergänzen dessen Angaben aber.
Danach gibt es in den nördlichen Vogesen (nordwestlich des Bruche-Tals) einen Karsee (den Lac de la Maix), in den Südvogesen 12 (darunter die bekannten Seen Lac Vert und Lac Blanc an der Routes des Crêtes), im Südschwarzwald einen Karsee (den Feldsee am Nordhang des Feldberges) und im Nordschwarzwald 6 Seen (darunter der Mummelsee). Genau genommen findet man im Nordschwarzwald 8 Seen, zwei davon sind aber nur deshalb erhalten, weil sie in historischer Zeit aufgestaut wurden. Darauf kommen wir in einem späteren Teil zu sprechen.
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Die obere Bildhälfte zeigt die zeitliche Entwicklung eines Menschen – am Beispiel von chronologisch aneinander gereihten Passfotos des Autors aus unterschiedlichen Epochen seiner individuellen Lebensgeschichte. Um die dort relevante Zeitskala von wenigen Jahrzehnten mit den Zeiträumen zu kontrastieren, in der sich die Entwicklung der Erde vollzieht, sind in der unteren Bildhälfte Steine unterschiedlicher Gesteinsklassen und aus ganz verschiedenen Erdzeitaltern abgebildet – mit zunehmendem Gesteinsalter von links nach rechts. Ganz links ein Bimsstein (Gesteinsklasse magmatisches, genauer: vulkanisches Gestein) aus der französischen Auvergne (Puy de la Vache); es stammt vermutlich von einem Vulkanausbruch vor ungefähr 8000 Jahren. Der 2. Stein von links ein Stück Buntsandstein aus dem Nordschwarzwald (aus dem Mittleren Buntsandstein, d.h., er stammt von Sedimenten aus der unteren Trias, die sich vor ungefähr 247 Millionen Jahren abgelagert haben). Der 3. Stein von links ist ein Stück Granit vom Günterfels im Mittleren Schwarzwald. Als Triberger Granit ist dieses Gestein vor ungefähr 325 bis 330 Millionen Jahren im Zeitalter des Karbon im Rahmen der variszischen Gebirgsbildung durch Intrusion entstanden und wurde dann vor ungefähr 65 Millionen Jahren durch Erosion freigelegt. Der 4. Stein von links ist ein Stück metamorpher Fels aus dem Silvretta-Massiv in den Österreichischen Alpen; letzte signifikante Metamorphose fand vermutlich auch im Rahmen der variszischen Gebirgsbildung (bei der Entstehung des Großkontinentes Pangäa) statt, möglicherweise aber auch erst später während der Auffaltung der Alpen; ganz rechts das Fossil eines Lebewesens aus dem mittleren Devon, das vor ungefähr 385 Millionen Jahren gelebt hat und in Sedimentgestein (Kalkstein) „verewigt“ wurde.
Die Gesteine im Bild haben sich innerhalb eines Menschenlebens praktisch nicht verändert, offenbaren jedoch ihre ganz eigene Geschichte, wenn man die Zeitskala der Erdgeschichte staucht und immer weiter in die Tiefe der Zeit eintaucht.
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Vgl. (Wyse Jackson, 2006)×Wyse Jackson, P.N., 2006. The Chronologers’ Quest: Episodes in the Search for the Age of the Earth. Cambridge university press, Cambridge., S. 112.